Unsere Gründung
30 Jahre FLUSS e.V.!
Schon seit 1995 gingen einzelne Lesben und Schwule sowie Freiburger Gruppen wie die Rosekids oder die Aidshilfe Freiburg in Schulen und Jugendgruppen, um dort Aufklärungsarbeit zu leisten. Doch vieles lief noch nebeneinander her. Deshalb trafen sich die Beteiligten am 5. Februar 1996 erstmals offiziell, um Kräfte zu bündeln und gemeinsam mehr zu erreichen.
Dabei wurden auch erste pädagogische Konzepte entwickelt. Ein zentraler Ansatz war die sogenannte „geschlechtszentrierte“ Arbeit: Lesben arbeiteten mit Mädchen, Schwule mit Jungen. Dieses Konzept spiegelte die damaligen fachlichen und gesellschaftlichen Debatten der 1990er-Jahre wider und war zugleich Ausdruck der Suche nach praktikablen Zugängen in einem Umfeld, das weiterhin von Unsicherheit, Tabuisierung und rechtlich-sozialen Nachwirkungen der §175-Geschichte geprägt war.
In einem Gründungstext von 1996 heißt es, die politische Zusammenarbeit von Lesben und Schwulen sei „aus bekannten Gründen“ eher selten gewesen. Umso besonderer sei es gewesen, dass sie im Schulprojekt funktionierte: getragen von gegenseitiger Sympathie, trotz (vermuteter) unterschiedlicher Lebensrealitäten und Erfahrungen.
Das gemeinsame Ziel formulierte die Gruppe klar: Sie wollte „eine gesündere Umwelt und eine menschenwürdige Lebensqualität für junge Lesben und Schwule“ mitgestalten.
1997 wurde FLUSS (damals als Freiburgs lesbisches und schwules Schulprojekt) schließlich offiziell als Verein eingetragen. Im selben Jahr fand auch der erste dokumentierte Schulbesuch statt: an einer Berufsschule in Zell am Harmersbach. Der Start war allerdings schwierig. Das Interesse an der Aufklärungsarbeit blieb zunächst gering. Ein wichtiger Grund dafür lag in der damaligen Bildungspolitik Baden-Württembergs: Die offiziellen Richtlinien untersagten es Schulen, homosexuelle Lebensweisen im Unterricht zu thematisieren. Gerade deshalb war die Arbeit von FLUSS in den 1990er-Jahren mutig, ungewöhnlich und für viele Jugendliche vermutlich wichtiger, als damals sichtbar war.
Seit 2001 ist FLUSS e.V. als freier Träger der Jugendhilfe sowie als Träger der außerschulischen Jugendarbeit der Stadt Freiburg anerkannt. Damit wurde die zuvor vor allem projektbezogene und ehrenamtlich getragene Arbeit institutionell stärker verankert und in die kommunalen Strukturen der Jugendhilfe eingebunden.
Bis 2006 basierte die gesamte Tätigkeit weiterhin ausschließlich auf ehrenamtlichem Engagement. Erst ab 2006 wurde die Arbeit durch eine 50 %-Stelle im Rahmen des Doppelhaushalts der Stadt Freiburg erstmals hauptamtlich unterstützt. Dieser Schritt markierte einen wichtigen Übergang von einer rein aktivistisch-organisierten Initiative hin zu einer dauerhaft professionell abgesicherten Struktur.
In den folgenden Jahren wuchsen der Verein und dessen Aufgaben kontinuierlich: Heute arbeiten bei FLUSS e.V. acht hauptamtliche Mitarbeitende, ergänzt durch rund 20 Ehrenamtliche, drei Honorarkräfte sowie sieben Minijobber*innen, diese erreichen jährlich ca. 4000 Kinder und Jugendliche und 2000 Erwachsene mit deren Arbeit. Mit dem personellen Ausbau ging auch eine inhaltliche Erweiterung der Aufgabenfelder einher. Das Profil hat sich im Laufe der Zeit deutlich verändert: von reiner schwul lesbischer Schulaufklärung hin zu einem breiteren Spektrum gesellschaftspolitischer queerer Bildungsarbeit und Beratungs.
Zentrale aktuelle Aufgaben sind: der Ausbau unseres Bildungsangebots für 4. Klassen und, gemeinsam mit TRITTA e.V., der Aufbau eines queeren Jugendzentrums in der Stadt Freiburg. Dieses Projekt knüpft an die ursprüngliche Zielsetzung von FLUSS an, schafft jedoch zugleich neue institutionelle Räume für queere Jugendliche, die über die schulische Aufklärungsarbeit hinausgehen und langfristige Unterstützung, Begegnung und Empowerment ermöglichen.
